Wirkung und Leistung von Martin Luther berücksichtigen

„Selbstverständlich müssen wir auch viele Taten und Worte historischer Persönlichkeiten kritisch betrachten“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Dittmar. Schließlich habe sich die Erde weitergedreht. Weltanschauung und gesellschaftlich-moralische Normen hätten sich mit der Entwicklung einer modernen Gesellschaft erheblich verändert. „Dinge sind heute undenkbar, die damals nahezu gesellschaftlicher Konsens waren“, sagt Daniel Dittmar. Aber Martin Luther hatte eine herausragende Wirkung auf den deutschsprachigen Raum und ganz Europa. „Wir dürfen bspw. nicht vergessen, dass er insbesondere mit der Übersetzung der Bibel die Deutsche Sprache entscheidend geprägt hat und durch die Verwendung der Deutschen Sprachform der Mitte diejenige wählte, die in den anderen beiden prägenden Sprachformen des Ober- und des Niederdeutschen am ehesten verstanden werden konnte. Im Prinzip entwickelte sich u.a. hieraus das Hochdeutsche“ so der selbst praktizierende evangelische Christ, Daniel Dittmar.

Heutige Maßstäbe anzulegen, wäre falsch

„Wir dürfen nicht den Fehler machen, an jede historische Persönlichkeit heutige Maßstäbe anzulegen“, erklärt Daniel Dittmars Fraktionskollege, Patrick Liesener. „Seine Aussagen zum Judentum lehnen wir ab, genau wie eine Umbenennung der Martin-Luther-Straße“, so der kulturpolitische Sprecher der Unionsfraktion. Denn es sei viel wichtiger, sagt Patrick Liesener, sich mit allen Facetten von Luthers Wirken auseinanderzusetzen. „Sein progressiver Einsatz, Frauen den Weg zu Bildung und Kirchenämtern zu ermöglichen, ist sehr beachtlich und hatte weitreichende Bedeutung“, erläutert Patrick Liesener, selbst Katholik. „Die Auseinandersetzung mit Luther darf kritisch sein, aber das erreicht man nicht, indem man ihn einfach versteckt.“

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