Schon im Dezember 2015 haben wir einen entsprechenden Prüfantrag in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht. Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die das frühere Verwaltungsgebäude der Kathreiner Malzkaffee-Fabrik verwaltet, stimmte zu. Der Text für die Gedenktafel wurde dem Kulturausschuss vorgelegt und mit Ergänzungen beschlossen. Das war im Sommer 2017.

Seither stockte das Verfahren. Wieder einmal lag es an der personellen Situation in der Bezirksverwaltung. Nach einem erneuten Antrag im Dezember 2020 hat das Bezirksamt nun mitgeteilt, dass inzwischen Mitarbeiter vorhanden seien, um die Ehrung Kurt Gudells „zeitnah“ zu vollenden. Der Tempelhof-Schöneberger CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Steuckardt, der auch kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, merkt an: „Es ist mir persönlich und der CDU-Fraktion ein Anliegen, diese Ehrung voranzutreiben.“

Der promovierte Wirtschaftsjurist Kurt Gudell wurde von der nationalsozialistischen Strafjustiz verfolgt, weil er homosexuell war. Er verlor seinen Doktortitel und sein Vermögen, kam in KZ-Haft und wurde ausgebürgert. Über Polen und Italien emigrierte Gudell in die Schweiz, die er nach Denunziationen 1944 ebenfalls verlassen musste. Kurt Gudell entkam nach Österreich. Ab 1952 lebte er wieder in Berlin. Das NS-Urteil zu seiner Homosexualität bestand fort. 1964 starb Kurt Gudell: arbeitslos, krank und verarmt.

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