Aufgrund der sich ausbreitenden Corona-Epidemie war die Veranstaltung leider nicht so gut besucht wie erwartet, aber dafür hatte Frau Motschmann ihren Mann als Verstärkung mitgebracht. So ging es anfangs um Familienfreundlichkeit von Politik und ob gerade Kommunalpolitik familienfeindlich sei. Als ein weiteres Beispiel nannte die Bremerin den Auswärtigen Ausschuss im Bundestag, dem sie angehöre: Mehrere weibliche Abgeordnete hätten ihn verlassen, weil es zu viele Reisen gäbe. Die Grünen hätten keine einzige weibliche Abgeordnete im Ausschuss und dies sei sehr bedauerlich, weil Frauen durchaus eine andere Außenpolitik machen würden.

Schockiert waren die Anwesenden über die Aktualität eines Artikels aus der WELT am SONNTAG aus dem Jahr 1984, der die Probleme von Frauen beschrieb und in gleicher Weise auch im Jahr 2020 hätte erscheinen können.

"MEHR FRAUEN MÜSSEN DIE CHANCE BEKOMMEN ZU ZEIGEN, WAS SIE KÖNNEN!"

Doch was können Parteien nun tun, um Frauen zu aktivieren und in die Politik zu locken? Darauf hat Elisabeth Motschmann eindeutige Antworten: „Mehr Frauen müssen die Chance bekommen zu zeigen was sie können!“ Es sei wichtig, weibliche Parteimitglieder, die nicht bislang nicht aktiv waren, gezielt anzusprechen und sie mit Aufgabe zu betrauen. Außerdem sollten sich Frauen nicht nur auf „vermeintliche“ Frauenthemen konzentrieren, auch wenn sie dort besonders viel erreicht hätten. Die Zahl der Innen- und Außenpolitikerinnen ist noch ausbaufähig.

Natürlich könnten aber die Frauen auch selbst einen Beitrag leisten, damit sie sichtbarer werden. Das Mantra lautet vernetzen und weniger zögerlich sein. In einer Anekdote erzählte Frau Motschmann, dass sie bei der Vergabe einer Rede zu zögerlich gewesen sei. Während sie noch abwog, ob sie für das Thema die Richtige sei, hätten sich alle Männer im Raum schon gemeldet. Ein Beispiel für die Vernetzung sei der überparteiliche Arbeitskreis „Feministische Außenpolitik“ im Bundestag.

Mehr Mut in sozialen Netzen

Die Frauen könnten aber auch in den sozialen Netzen mutiger werden. Frauen würden weniger Thesen posten und seltener deutlich Position ergreifen und das mache sie für die Medien weniger interessant. Die Folge sei, dass Frauen in Fernseh-Talkshows oder Interviews deutlich seltener eingeladen oder als Expertinnen befragt werden würden.

Auf die Frage, ob sie es merkwürdig finden würde, dass sie einen Mann als frauenpolitischen Sprecher vor sich hätte, antwortete sie: „Das ist gut, weil die Fragen, mit denen sie sich in dieser Funktion beschäftigt haben, verlassen sie nie wieder.“ Ihr gefalle deshalb der vorgetragene Vorschlag, dass auch Männer in einer Art Fördermitgliedschaft die Frauen Union unterstützen könnten.

Wenig Bewegung mit freiwilligen Regelungen

Natürlich wurde auch die Frauenquote debattiert. Frau Motschmann führt aus, dass sie die Quote früher abgelehnt habe und deshalb Verständnis für jede Frau habe, die keine Quotenfrau sein möchte, aber in all den Jahren in der Politik habe sie auch gemerkt, dass sich mit freiwilligen Regelungen zu wenig bewegt und hätte deshalb ihre Meinung geändert.

Zum Schluss sagt sie zu ihrer Zukunft: „Mein Einsatz gilt jetzt Frauen, denen ich noch Wege ebnen möchte.“ Dafür wünschte Patrick Liesener ihr noch viel Erfolg und überreichte als Dankeschön ein Geschenk aus Schöneberg und eines aus Tempelhof. Ein Flasche Schöneberger Wein für den Abend und eine Packung der Lichtenrader Teemischung für den Morgen.

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